Bericht von der Kundgebung gegen die Grauen Wölfe auf der Langen Ost Nacht 2019

Seit mehreren Jahren beteiligt sich an der Langen Ost Nacht, dem größten Stadtteilfest im Stuttgarter Osten, die türkisch faschistische Organisation Milliyetci Hareket Partisi (MHP, dt.: Partei der Nationalistischen Bewegung) mit einem Stand. Der Stand wird angemeldet vom „Türkischen Nationalen Kulturverein Stuttgart e. V.“, der in der Rieckestraße am Stöckach ein Vereinslokal besitzt.

Wir haben bereits in den letzten zwei Jahren und auch in diesem Jahr mit Flugblättern, Stadtteilinformationen und Kundgebungen sowie einem offenen Brief auf diesen Verein und seine Hintergründe aufmerksam gemacht und forderten öffentlich den Ausschluss der Faschisten von der Langen Ost-Nacht.

Nach wie vor sind die Veranstalter (Museumsverein, Stadt Stuttgart, Handels-und Gewerbeverein Stuttgart Ost und Gablenberg) der Langen Ost Nacht nicht gewillt, den Verein von der Langen Ost Nacht auszuschließen, obwohl klar ist, dass der Verein zu den Grauen Wölfen gehört. Als Grund dafür wird behauptet, dass vom Verein und den Mitgliedern an der Langen Ost Nacht keine Gefahr ausgehe. Dies ist aus unserer Sicht eine Verharmlosung, da es bereits zu verbalen und körperlichen Drohungen von Sympathisanten der MHP gegenüber Andersdenkenden gekommen ist. Außerdem stützt sich die MHP, so wie der Dachverband ADÜTDF mit ihrer Ideologie auf verschiedene Grundpfeiler antidemokratischer Weltanschauungen. Neben rassistischen Positionen sowie Sexismus, Homophobie und Antisemitismus, stehen sie auch ganz klar für ein autoritäres Regime. Dieses bedingt einen unanfechtbaren Führerkult sowie Nationalismus, Idealismus und eine offene Gewaltbereitschaft. Dies bedeutet im ethnischen Sinne die Vertreibung aller nach ihrer Ansicht nicht türkischen Bevölkerungsanteile mit körperlicher Gewalt bis hin zu politischen Morden.

Die Verantwortlichen der Langen Ost Nacht verschließen bereits seit Jahren die Augen vor diesen Tatsachen und argumentieren immer noch damit, dass der Verein ja schließlich leckere türkische Spezialitäten und Köstlichkeiten anzubieten habe. Dass der Türkisch Nationale Kulturverein an der Langen Ost Nacht weiterhin teilnimmt, stößt bei vielen BewohnerInnen und FestbesucherInnen auf Unverständnis. Dies spiegelte sich auch bei der gestrigen Kundgebung wider, die direkt am Beginn der Langen Ost Nacht stattfand.

Diese Kundgebung wurde von der Initiative „Keine Faschisten auf der Langen Ost Nacht“ organisiert. Neben Rede- und Musikbeiträgen von den einzelnen Gruppen, wurden auch Stadtteilinformationen verteilt und UnterstützerInnen für den diesjährigen offenen Brief gesammelt. Insgesamt beteiligten sich 50 Personen an der Kundgebung. Redebeiträge gab es von der MLPD, von AUF (Alternativ Unabhängig Fortschrittlich) sowie von Zusammen Kämpfen Stuttgart.

Im Großen und Ganzen stießen wir mit der Kundgebung und der Informationskampagne auf positive Resonanz. Viele FestbesucherInnen empfanden es als Skandal, dass die türkischen Faschisten nach wie vor einen Stand auf der Langen Ost Nacht haben und viele AnwohnerInnen, die bereits im letzten Jahr Stellung bezogen hatten, zeigten dies nun nochmal deutlicher indem sie sich positionierten. Dass das Thema von vielen Menschen aufgegriffen und breit diskutiert wurde, gefiel weder den Mitgliedern und Sympathisanten der MHP, die dieses Jahr jedoch größere Provokationen unterließen, noch den Verantwortlichen des HGV, da sie durch die breit angelegte Kampagne immer mehr unter Druck geraten.

Wir halten an unserer Forderung fest:

Keine Faschisten auf der Langen Ost-Nacht!  Keine Faschisten in unserem Viertel!

Die Initiative „Keine Faschisten auf der Langen Ost Nacht“ besteht aus:

AUF-Stuttgart
Die Linke OV-Ost
MLPD Wohngebietsgruppe Ost
SDAJ Stuttgart
Zusammen Kämpfen Stuttgart


Rede von Zusammen Kämpfen

Liebe Anwohnerinnen und Anwohner, liebe Nachbarinnen und Nachbarn

GenossInnen, Freunde und AntifaschistInnen

 

Heute findet im Stuttgarter Osten die 18. Lange Ost Nacht statt. Die Lange Ost Nacht ist eines der bekanntesten und größten Straßenfeste in Stuttgart. Tausende von Besuchern werden auch heute wieder die entspannte Atmosphäre auf der Langen Ost Nacht genießen und sich etwas von ihrem Alltagsstress erholen. Leider müssen wir aber etwas Wasser in den Wein gießen und auf eine Begebenheit hinweisen, die wir als BewohnerInnen des Stuttgarter Ostens und als Antifaschistinnen für unerträglich halten.

Seit geraumer Zeit hat auch eine türkische faschistische Organisation, die MHP, auf Deutsch, „Partei der Nationalen Bewegung“, die Gelegenheit ergriffen dieses Ereignis für sich zu nutzen und firmiert unter dem Namen „Türkisch Nationaler Kulturverein Stuttgart e.V.“ auf der Langen Ost Nacht. Ganz harmlos daherkommend verkauft der Verein türkisches Essen an seinem Stand und gibt sich damit einen harmlosen Anstrich. Wenn man etwas genauer hinsieht war aber auch über Jahre eindeutig faschistische Propaganda an ihrem Stand aufgehängt, wie beispielsweise ein Bildnis des Gründers der MHP, das Symbol der Partei, die drei Halbmonde oder etwa der Bozkurt, ein mythologischer Wolf der auch gleichzeitig Namensgeber der faschistischen Bewegung in der Türkei ist. Diese Bewegung ist verantwortlich für eine Vielzahl von Morden und Anschlägen auf vermeintliche Gegner der Bozkurt oder Andersdenkende, sowohl in der Türkei als auch in Deutschland oder auch in Stuttgart. Als Gegner sehen die Bozkurt alle diejenigen an, die nicht in ihr menschenverachtendes Weltbild passen. Darunter fassen sie allen voran ethnische Minderheiten in der Türkei, wie etwa Kurdinnen und Kurden, Jezidinnen oder Jeziden, Menschen jüdischen Glaubens, Linke oder Menschen, die für kulturellen Pluralismus einstehen. Denn all diejenigen passen nicht in ihre Bestrebungen, ein großtürkisches Reich aller Turkvölker zu errichten.

Seit über zwei Jahren regt sich aber auch Kritik und Widerstand gegen die Teilnahme der türkischen Faschisten an der Langen Ost Nacht. Denn viele Besucher und Besucherinnen des Stadtteilfestes wollen nicht mit Menschen feiern und Spaß haben, die jenseits der Langen Ost Nacht offen morden, Andersdenkende angreifen und bedrohen oder eben jenen Pluralismus, den das Stadtteilfest ausdrückt, abschaffen wollen. Seit zwei Jahren werden nun die Veranstalter der Langen Ost Nacht aufgefordert den Bozkurt und ihrem dahinterliegenden Verein keinen Platz mehr auf der Langen Ost Nacht zu gewähren. Doch für die Verantwortlichen besteht anscheinend kein Problem darin, dass ein Verein, der menschenverachtendes Gedankengut transportiert und offen faschistisch ist, auf einem kulturellen Stadtteilfest agieren darf. Das Problem für die Verantwortlichen sind anscheinend eher die Menschen, die sich öffentlich gegen die Faschisten stellen. Inhalte und Ideologie des Vereins scheinen hier keine Rolle zu spielen, solange es ruhig zu sich geht und das Geld fließt.

So wurde im letzten Jahr extra eine Einschätzung des Staatsschutzes, die von dem Bezirksbeirat eingeholt wurde zur Rechtfertigung ihres Handelns genutzt. Aus diesem Bericht geht klar hervor, dass der Türkisch Nationale Kulturverein zur MHP gehöre, aber darüber hinaus lägen „keine Vorkommnisse vor, die ein Teilnahmeverbot an der Langen Ost Nacht rechtfertigen würden, im Klartext heißt das, Faschismus wird offen akzeptiert bis etwas passiert und vor allem aber könne man ja keinen gut integrierten Verein ausschließen, der so leckeres Essen macht.

Aber in Stuttgart-Ost lebt nicht nur der Bezirksbeirat oder der Museumsverein, sondern eine Vielzahl an Menschen aus unterschiedlichen Nationen und mit unterschiedlichen Religionen zusammen. Ideologien, welche Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Hautfarbe, Religion und/oder ihres Geschlechts diskriminieren, sollten nicht noch zusätzlich eine Finanzierungsmöglichkeit geboten werden. Um ein friedliches Zusammenleben langfristig zu gewährleisten, sollte man eben diese eine klare Absage erteilen. Gerade heute, wo solch ein menschenverachtendes Gedankengut wieder die gesellschaftliche Mitte prägt, sollten wir ein klares Zeichen dagegensetzen. Auf der Langen Ost Nacht gibt es keinen Platz für Faschismus, Antisemitismus, Homophobie, Rassismus, Frauenfeindlichkeit und Chauvinismus, kurz, keinen Platz für menschenverachtendes Gedankengut!

 

Deshalb fordern wir:

Keine Faschisten auf der Langen Ost Nacht!
Keine Faschisten in unserem Viertel!
Kein Platz für menschenverachtendes Gedankengut und Rechte Hetze!
Für ein solidarisches und antifaschistisches Stuttgart Ost!