Breiter und vielfältiger Protest gegen türkische Faschisten auf der Langen Ost-Nacht

Breiter und vielfältiger Protest gegen türkische Faschisten auf der Langen Ost-Nacht

Seit mehreren Jahren beteiligt sich an der Langen Ost-Nacht, dem größten Stadtteilfest im Stuttgarter Osten, die türkisch faschistische Organisation Milliyetci Hareket Partisi (MHP, dt.: Partei der Nationalistischen Bewegung) mit einem Stand. Der Stand wird angemeldet vom „Türkischen Nationalen Kulturverein Stuttgart e. V.“, der in der Rieckestraße am Stöckach ein Vereinslokal besitzt.

Wir haben bereits im letzten Jahr mit Flugblättern und einem offenen Brief auf diesen Verein und seine Hintergründe aufmerksam gemacht und forderten öffentlich den Ausschluss der Faschisten von der Langen Ost-Nacht.

Anfang dieses Jahres wurde seitens des Museumsvereins, der als formeller Veranstalter fungiert, entschieden den Stand NICHT von der Langen Ost-Nacht auszuschließen. Nach diversen Anfragen bei der Stadt, dem Staatsschutz und anderen Institutionen sahen die OrganisatorInnen keine Notwendigkeit den Stand des faschistischen Vereins zu untersagen. Durch die Anfragen wurde zwar festgestellt, dass der Verein zu den Grauen Wölfen – so nennen sich die Mitglieder der MHP – gehöre , aber darüber hinaus lägen „keine Vorkommnisse zum o. g. Verein vor, die ein Teilnahmeverbot an der Langen Ost-Nacht rechtfertigen würden.“

Zusammengefasst bedeutet das, dass sich die Stadt und die OrganisatorInnen – namentlich der Museumsverein(MuseO) und der Handels- und Gewerbeverein Stuttgart Ost – darüber im Klaren sind, dass es sich bei dem Verein um türkische Faschisten handelt, dass dieser allerdings nicht auszuschließen sei, weil von dem Verein selbst keine Gefahr ausgehe.

Dies ist aus unserer Sicht eine Verharmlosung, da bereits auf der letzten Langen Ost-Nacht Mitglieder und Sympathisanten der MHP mit körperlichen und verbalen Drohungen gegenüber Andersdenkenden negativ aufgefallen sind. Darüber hinaus ist die Vereinsstruktur der türkischen Faschisten in der BRD eng an eine Organisation gekoppelt, die das repressive System in der Türkei unterstützt und fördert, ultranationalistisch ist, ein großtürkisches Reich anstrebt, die Todesstrafe wieder einführen möchte und Minderheiten unterdrückt.

Für den Handels-und Gewerbeverein – besser gesagt für die verantwortlichen Personen beim HGV ist dies nicht entscheidend, da das „Gschäftle machen“ im Vordergrund steht. Im Endeffekt verschließen die HGV-Verantwortlichen die Augen bei den Gräueltäten, die die MHP in der Türkei aber auch in Europa verübt. Gleichzeitig wird die selbe Organisation als Repräsentant der türkischen Kultur verharmlost und darf an der Langen Ost-Nacht teilnehmen.

Für uns war daher klar, dass wir, anknüpfend an das letzte Jahr, noch breiteren Widerstand gegen die Teilnahme der türkischen Faschisten auf der Langen Ost-Nacht organisieren werden und einen antifaschistischen Standpunkt im Stuttgarter Osten selbst und darüber hinaus sichtbar werden lassen. Eine gute Grundlage hatten wir bereits geschaffen, da unser Protest im letzten Jahr auf positive Resonanz bei den AnwohnerInnen sowie den FestbesucherInnen stieß.

Bereits beim 1. Mai-Fest thematisierte Zusammen Kämpfen [Stuttgart] bei einem Vortrag die erneute Teilnahme der türkischen Faschisten auf der Langen Ost-Nacht und informierte über die Hintergründe der faschistischen Organisation sowie deren Duldung durch die HGV-Verantwortlichen.

Vereine, Organisationen und Parteien beteiligten sich an Bündnistreffen und erstellten dabei einen antifaschistischen Konsens, der an der Langen Ost-Nacht als großes Plakat gut sichtbar an 10 verschieden Ständen angebracht wurde. An den Ständen der Vereine und Organisationen, die den antifaschistischen Konsens unterstützen, waren zudem Textilaufkleber sowie Infoflyer erhältlich. Darüber hinaus veranstaltete Zusammen Kämpfen [Stuttgart] zusammen mit der Initiative Rechtspopulismus Stoppen eine Woche vor der Langen Ost-Nacht im Stuttgarter Osten eine Kundgebungstour.

Die Stadtteilinformation wurde schließlich fünf Tage vor Beginn der Langen Ost-Nacht an 6000 Haushalte und Läden in Gablenberg und Ostheim verteilt, um einen Großteil der Bevölkerung auf die Thematik aufmerksam zu machen.

Schließlich wurde am Tag der Langen Ost-Nacht selbst, dem 21. Juli um 18 Uhr eine Kundgebung organisiert, an der sich AUF (Alternativ Unabhängig Fortschrittlich), die Initiative Kurdistan Solidarität Stuttgart, die MLPD sowie Zusammen Kämpfen [Stuttgart] mit Redebeiträgen beteiligten. Die Kundgebung, an der sich 50 Personen beteiligten, konnte nochmals viele auf die Lange Ost-Nacht strömende BesucherInnen erreichen, da sie im Eingangsbereich zum Fest abgehalten wurde. Nach anderthalb Stunden wurde die Kundgebung beendet. Im Anschluss daran wurden weiterhin Stadtteilinfos und Textilaufkleber an PassantInnen verteilt.

Im Großen und Ganzen stießen wir mit der Kundgebung und der Informationskampagne auf positive Resonanz. Viele FestbesucherInnen empfanden es als Skandal, dass die türkischen Faschisten einen Stand auf der Langen Ost-Nacht haben und viele AnwohnerInnen, die bereits im letzten Jahr Stellung bezogen hatten, zeigten dies nun nochmal deutlicher indem sie sich positionierten. Entweder indem sie an der Kundgebung teilnahmen, oder Textilaufkleber gut sichtbar auf ihrer Kleidung anbrachten, oder auf einem der vielen Transparente mit ihrem Namen unterschrieben oder ihren Verein darauf aufmerksam machten, so dass dieser den antifaschistischen Konsens unterstützte. Dass das Thema von vielen Menschen aufgegriffen und breit diskutiert wurde, gefiel weder den Mitgliedern und Sympathisanten der MHP, die dieses Jahr jedoch größere Provokationen unterließen, noch den Verantwortlichen des HGV, da sie durch die breit angelegte Kampagne immer mehr unter Druck geraten.

In diesem Jahr hat sich ein noch breiterer Widerstand gegen die türkischen Faschisten, sowie die Zusammenarbeit mit den HGV-Verantwortlichen etabliert. Wir werden auch weiterhin dort unseren Protest zum Ausdruck bringen, wo Faschisten jeglicher Couleur den öffentlichen Raum für sich beanspruchen und für ihre menschenverachtende Hetze nutzen.

Keine Faschisten auf der Langen Ost-Nacht! Keine Faschisten in unserem Viertel!
Für ein solidarisches und antifaschistisches Stuttgart Ost!

Zusammen Kämpfen
für eine Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung!
www.zk-stuttgart.tk

 

 

 

 

 


Konsens

Wir Vereine, Künstler, Gewerbetreibende und Parteien, die regelmäßig an der Langen Ost Nacht teilnehmen, diese mitgestalten und bespielen, stellen uns deut- lich gegen jede Form von menschenfeindlicher Ideologie. In Stuttgart Ost leben Menschen unterschiedlicher Herkunft und Konfession. Wir wollen ein friedliches Zusammenleben. Dies ist nur möglich, wenn Ideologien, die Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Hautfarbe, Religion und/oder ihres Geschlechts diskriminieren, eine klare Absage erteilt wird. In der heutigen Situation, in der solches Gedanken- gut zunehmend in der Gesellschaft wieder salonfähig wird, setzen wir ein klares Zeichen dagegen. Auf der Langen Ost Nacht gibt es keinen Platz für Faschismus, Antisemitismus, Homophobie, Rassismus, Frauenfeindlichkeit und Chauvinismus, kurz keinen Platz für menschenverachtendes Gedankengut! Initiativen, Vereine und Organisationen, die menschenfeindliche Ideologien vertreten, haben daher nichts auf der Langen Ost Nacht zu suchen und sollen ausgeschlossen werden.


Rede von Zusammen Kämpfen auf der Kundgebung

Liebe Anwohnerinnen und Anwohner, liebe Nachbarinnen und Nachbarn

GenossInnen, Freunde und AntifaschistInnen

Auch dieses Jahr findet im Stuttgarter Osten die Lange Ost Nacht statt. Die Lange Ost Nacht ist eines der bekanntesten und größten Straßenfeste in Stuttgart. Tausende von Besuchern werden nächstes Wochenende die entspannte Atmosphäre auf der Langen Ost Nacht genießen und sich etwas von ihrem Alltagsstress erholen. Leider müssen wir aber etwas Wasser in den Wein gießen und auf eine Begebenheit hinweisen, die wir als BewohnerInnen des Stuttgarter Osten und als Antifaschistinnen für unerträglich halten.

Seit geraumer Zeit hat auch eine türkische faschistische Organisation, die MHP, auf deutsch, „Partei der nationalen Bewegung“, die Gelegenheit ergriffen dieses Ereignis für sich zu nutzen und firmiert unter dem Namen „Türkisch Nationaler Kulturverein Stuttgart e.V.“ auf der Langen Ost Nacht. Ganz harmlos daherkommend verkauft der Verein türkisches Essen an seinem Stand und gibt sich damit einen harmlosen Anstrich. Wenn man etwas genauer hinsieht war aber auch über Jahre eindeutig faschistische Propaganda an ihrem Stand aufgehängt, wie beispielsweise ein Bildnis des Gründers der MHP, das Symbol der Partei, die drei Halbmonde oder etwa der Bozkurt, ein mythologischer Wolf der auch gleichzeitig Namensgeber der faschistischen Bewegung in der Türkei ist. Diese Bewegung ist verantwortlich für eine Vielzahl von Morden und Anschlägen auf vermeintliche Gegner der Bozkurt oder Andersdenkende, sowohl in der Türkei als auch in Deutschland oder auch in Stuttgart. Als Gegner sehen die Bozkurt alle diejenigen an, die nicht in ihr menschenverachtendes Weltbild passen. Darunter fassen sie allen voran ethnische Minderheiten in der Türkei, wie etwa Kurdinnen und Kurden, Jezidinnen oder Jeziden, Menschen jüdischen Glaubens, Linke oder Menschen, die für kulturellen Pluralismus einstehen. Denn all diejenigen passen nicht in ihre Bestrebungen, ein großtürkisches Reich aller Turkvölker zu errichten.

Seit letztem Jahr regt sich aber auch Kritik und Widerstand gegen die Teilnahme der türkischen Faschisten an der Langen Ost Nacht. Denn viele Besucher und Besucherinnen des Stadtteilfestes wollen nicht mit Menschen feiern und Spaß haben, die jenseits der Langen Ost Nacht offen morden, Andersdenkende angreifen und bedrohen oder eben jenen Pluralismus, den das Stadtteilfest ausdrückt, abschaffen wollen. Seit letztem Jahr werden die Veranstalter der Langen Ost Nacht aufgefordert den Bozkurt und ihrem dahinterliegenden Verein keinen Platz mehr auf der Langen Ost Nacht zu gewähren. Doch für die Verantwortlichen besteht anscheinend kein Problem darin, dass ein Verein, der menschenverachtendes Gedankengut transportiert und offen faschistisch ist, auf einem kulturellen Stadtteilfest agieren darf. Das Problem für die Verantwortlichen sind anscheinend eher die Menschen, die sich öffentlich gegen die Faschisten stellen. Inhalte und Ideologie des Vereins scheinen hier keine Rolle zu spielen, solange es ruhig zu sich geht und das Geld fließt.

So wurde extra eine Einschätzung des Staatsschutzes, die von dem Bezirksbeirat eingeholt wurde zur Rechtfertigung ihres Handelns genutzt. Aus diesem Bericht geht klar hervor, dass der Türkisch Nationale Kulturverein zur MHP gehöre, aber darüber hinaus lägen „keine Vorkommnisse vor, die ein Teilnahmeverbot an der Langen Ost Nacht rechtfertigen würden, im Klartext heißt das, Faschismus wird offen akzeptiert bis etwas passiert und vor allem aber könne man ja keinen gut integrierten Verein ausschließen, der so leckeres Essen macht.

Aber in Stuttgart Ost lebt nicht nur der Bezirksbeirat oder der HGV sondern eine Vielzahl an Menschen aus unterschiedlichen Nationen und mit unterschiedlichen Religionen zusammen. Ideologien, welche Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Hautfarbe, Religion und/oder ihres Geschlechts diskriminieren, sollten nicht noch zusätzlich eine Finanzierungsmöglichkeit geboten werden. Um ein friedliches Zusammenleben langfristig zu gewährleisten, sollte man eben diese eine klare Absage erteilen. Gerade heute, wo solch ein menschenverachtendes Gedankengut wieder die gesellschaftliche Mitte prägt, sollten wir ein klares Zeichen dagegensetzen. Auf der Langen Ost Nacht gibt es keinen Platz für Faschismus, Antisemitismus, Homophobie, Rassismus, Frauenfeindlichkeit und Chauvinismus, kurz, keinen Platz für menschenverachtendes Gedankengut!

Deshalb fordern wir:

Keine Faschisten auf der Langen Ost Nacht!
Keine Faschisten in unserem Viertel!
Kein Platz für menschenverachtendes Gedankengut und Rechte Hetze!
Für ein solidarisches und antifaschistisches Stuttgart Ost!