Die Macht liegt in den Händen der Frau*

Heraus zum 8. März, dem internationalen Frauenkampftag

Der Frauenkampftag, am 8. März steht wie kein anderer Tag für den Kampf der Frauen* um ihre Befreiung und ruft dazu auf sich gegen patriarchale Unterdrückung und kapitalistische Ausbeutung zur Wehr zu setzen. Frauen aus aller Welt gehen an diesem Tag auf die Straße, um ihren Forderungen entschlossenen Ausdruck zu verleihen. Denn auch im Jahr 2019 gibt es noch viel zu tun: Die patriarchale Unterdrückung der Frau zeigt sich nach wie vor sehr deutlich.

Ein Blick in die Geschichte …

Feministische Vorkämpferinnen haben im frühen 20. Jahrhundert auf den sozialistischen Frauenkonferenzen politische Debatten geführt und Kämpfe vorbereitet, um die Situationen der Frau weltweit zu verbessern. Auf Initiative der Frauenkonferenzen organisierten sich Frauen und gingen überall auf der Welt auf die Straße. So sind Proletarierinnen gegen den 1. Weltkrieg und dessen Folgen, wie Hungersnot, Verelendung und Verarmung, auf die Straße gegangen. In den Protesten forderten die Frauen auch das Recht auf Mitbestimmung und wehrten sich damit gegen die patriarchale Bevormundung.
Als die wohl bekannteste Errungenschaft gilt das in dieser Zeit erkämpfte Frauenwahlrecht.
Die neuen Frauenbewegungen der 68er und 70er Jahre prägten den Slogan „das Private ist politisch“, wodurch sie sich bewusst von der traditionellen Politik der Frauenverbände abgehoben haben. Erstmalig bestanden Frauen auf „männerfreie“ Räume, um ihre feministischen Forderungen entwickeln zu können. Sie kämpften für die Teilhabe der Frauen an allen gesellschaftlichen Entscheidungen und übten Kritik an den Strukturen der klassischen Familie mit ihren traditionellen Geschlechterrollen. Außerdem stand der Kampf für das Selbstbestimmungsrecht über den eigenen Körper bei Schwangerschaftsabbruch sowie der Kampf gegen Misshandlung und Gewalt gegenüber Frauen und Kindern im Mittelpunkt. Aus dieser Bewegung wurden verschiedene Veränderungen und daraus entstandene Projekte erkämpft, wie z.B. die autonomen Frauenhäuser, Lesbentreffen, Beratungsstellen, Frauenbuchläden oder feministische Gesundheitszentren, um nur einige zu nennen.

Diese und weitere Errungenschaften mussten gegen den Widerstand einer patriarchalen Gesellschaft hart erkämpft werden und zeigen gleichzeitig auf: Die Geschichte der Frauenkämpfe ist vielfältig. Sie ist gespickt mit kleineren und größeren Errungenschaften auf dem Weg zur Befreiung der Frau – selbst wenn der große Durchbruch noch nicht gelungen ist.

Der Kampf geht weiter…

Auch wenn bereits Verbesserungen erstritten werden konnten, sind immer noch viele alte und neue Forderungen nicht erreicht und müssen nach wie vor erkämpft werden – am 8. März, wie an jedem anderen Tag auch.
Fortschrittliche feministische Kämpferinnen emanzipierten sich, indem sie ihre Situation in die eigene Hand genommen haben und selbst für ihre Rechte eingestanden sind, denn an den bestehenden Verhältnissen ändert sich nur dann etwas, wenn dagegen gekämpft wird.
Es ist, in Anlehnung an die Geschichte, unsere Pflicht diesen Kampf weiter zu führen, um einen Rückschritt zu verhindern und die Befreiung der Frau real werden zu lassen. Denn trotz der vielen verschiedenen Frauenkämpfe und Errungenschaften hat die patriarchale Gesellschaftsordnung in ihrer Gesamtheit nicht nur überlebt sondern sich auch stetig weiterentwickelt. Das liegt daran, dass das kapitalistische System vom Patriarchat profitiert, dessen Wirkmechanismen in die seinen integriert und sich zu Nutze gemacht hat.
Dies muss für uns im Umkehrschluss heißen nicht nur für die Befreiung der Frau vom Patriarchat sondern auch vom Kapitalismus zu kämpfen.
Doch was heißt eigentlich die Befreiung der Frau von Patriarchat und Kapitalismus?
Das Patriarchat bietet mit seinen, den Geschlechtern zugewiesenen Rollen einen großen Vorteil für die kapitalistische Mehrwertproduktion. So ist es z.B. gut, wenn die Verrichtung der Reproduktionsarbeit, wie etwa Kindererziehung, Essenszubereitung, putzen, Angehörige versorgen usw. – ohne Bezahlung von Frauen erledigt wird. Dies hält dem arbeitenden Mann den Rücken frei, was ihn länger und effizienter arbeiten lässt und damit die Mehrwertproduktion steigert. Außerdem befreit dies den Mann gleichzeitig von der Notwendigkeit sich um diese Art Arbeit zu kümmern.
Gleichzeitig werden die Geschlechter auch zur Verschärfung der Konkurrenz am Arbeitsmarkt genutzt: Die Frau, die sich in patriarchalen Strukturen, durchsetzen muss und dementsprechend mehr und besser arbeiten will, der Mann, der nicht schlecht im Vergleich mit seiner weiblichen Kollegin aussehen möchte.

Und das sind nur wenige Beispiele für den Profit den der Kapitalismus aus patriarchalen Strukturen zieht.
Heute wird der Kampf oftmals gegen nur eine dieser beiden Unterdrückungsmechanismen propagiert und die Kämpfe getrennt voneinander geführt. Beispielsweise finden in Lohnforderungen oder Streiks wenig weibliche Forderungen ihren Platz während es in feministischen Kämpfen oftmals hauptsächlich um die Gleichstellung von Mann und Frau geht und die kapitalistischen Wirkmechanismen außer Acht gelassen werden. Linke Politik und eine antikapitalistische Perspektive muss immer auch den Kampf gegen das Patriarchat im Blick haben und eine feministische Perspektive sollte immer auch einen Blick auf die systematische Ausbeutung und Unterdrückung im Kapitalismus haben, da das Patriarchat nicht mit dem Niedergang des Kapitalismus automatisch verschwinden wird.

Daher kämpfen wir Seite an Seite gegen:

  • kapitalistische Ausbeutung
  • patriarchale Unterdrückungsmechanismen u.a. in Form von:
    • ungleicher Bezahlung
    • veralteten Rollenbildern
    • sexistischen Verhaltensweisen
    • Gewalt jeglicher Art gegen Frauen

Und kämpfen für:

  • die Befreiung der Frau
  • eine Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung, jenseits von Patriarchat und Kapitalismus

In den letzten Jahren gab es in vielen Ländern verschiedene Formen des Frauenprotests, die eine breite Öffentlichkeit erreichten und die Forderungen der Frauen international verbreiteten. Sei es der Women`s March in Amerika, der Frauenstreik in Spanien oder die große Demonstration am 8. März in Istanbul. Die Bilder der protestierenden Frauen gingen um die ganze Welt und zeigten die Macht der Frauen in der Gesellschaft auf.

Heraus zum 8. März, dem internationalen Frauenkampftag

Wir rufen daher alle dazu auf, am 8. März auf die Straße zu gehen und solidarisch gegen die Ungerechtigkeit der patriarchalen Gesellschaftsordnung zu demonstrieren.

Kommt zu der Kundgebung ab 16.30 Uhr auf dem Schlossplatz und beteiligt euch an der anschließenden Demonstration durch die Stuttgarter Innenstadt.

Mobilisiert alle in eurem Umfeld mit euch auf die Straße zu gehen und gemeinsam für eine Welt jenseits des Patriarchats und des Kapitalismus, frei von Ausbeutung und Unterdrückung, zu kämpfen.

Für die Befreiung der Frau!
Zusammen Kämpfen gegen Patriarchat und Kapitalismus!


Kurz-Erklärung: Patriarchat

Wörtlich bedeutet ‚Patriarchat’ die Herrschaft von Vätern, meint aber eigentlich die Herrschaft des heteronormativen Mannes über die Frau*.

Dies äußert sich sowohl politisch, sozial, ökonomisch, psychologisch und auch körperlich. Beispielsweise durch diskriminierende und unterdrückende Gesetzgebung, Institutionen oder durch direktes dominantes und herabwürdigendes Verhalten von Männer gegenüber Frauen*.

So erledigen den Großteil der unbezahlten Haus- und Sorgearbeit auch heute meist immer noch Frauen, was sich in klassischen Rollenbildern manifestiert, wo der Mann als Versorger gilt und die Frau als „Heimchen“ am Herd, die sich um Haus – und Kinder kümmert und höchstenfalls einen schlecht entlohnten Teilzeitjob ausübt.


 

Die Geschichte des 8. März – Internationaler Frauenkampftag

Die Begehung des Frauenkampftages geht zurück auf den 08. März 1857. Dort streikten Textilarbeiterinnen in New York für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen. Als eines der Hauptthemen wurde das Frauenwahlrecht aufgegriffen.

Am ersten internationalen Frauenkampftag, der vorerst am 19. März begangen wurde, demonstrierten Millionen Frauen weltweit für verschiedenste Forderungen.
In Deutschland, Dänemark, Österreich, Schweden, der Schweiz und den USA gingen Frauen auf die Straße, um für eine Einführung des Frauenwahlrechts, für Arbeitsschutzgesetze, für die Einführung des 8-Stunden-Tags, für Mutter- und Kinderschutz, für gleichen Lohn für gleiche Arbeit, für die Senkung der Lebensmittelpreise, für die Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs und gegen den Krieg, zu kämpfen.

Als am 08. März 1917 eine Demonstration von Frauen in St. Petersburg unter der Losung „Brot und Frieden“ zu einer Ausweitung der landesweiten Proteste gegen das Kriegselend führte, wurde dieser Widerstand der Frauen unter anderem zum Auslöser der russischen Februarrevolution.

Aufgrund dieser Ereignisse wurde schließlich der 08. März von der 2. Internationalen Konferenz kommunistischer Frauen 1921 als festes Datum eingeführt. Seitdem steht dieser Tag symbolisch für die Forderungen und Kämpfe der Frauen weltweit.


 

Veranstaltung: Frauen*Streik! Zur Feminisierung von Streiks!

«Frauen* streiken anders. Das hat freilich nichts mit Biologie oder biologistischen Argumenten zu tun, sondern ergibt sich aus der Tatsache, dass wir nach wie vor in einer Gesellschaft leben, die in vielerlei Hinsicht geschlechtsspezifisch strukturiert ist.» Ingrid Artus

Bergbaukumpel, Müllmänner, Lokführer – der typische Streikende ist männlich, militant, trägt Blaumann, Lederjacke oder Uniform.
Dieses Bild ist veraltet – wenn es überhaupt jemals richtig war. Immer mehr Erwerbstätigkeit findet heutzutage im Dienstleistungssektor statt und sie wird immer häufiger von Frauen erledigt. Die Erzieher*innen in den Kitas, die Krankenpfleger*innen in den Kämpfen für mehr Personal in Krankenhäusern stehen heute ganz vorne in der Streikfront.

Aber welche Bedeutung hat die Feminisierung von Streiks – für die Arbeitskämpfe, für die Gewerkschaften, für die Gesellschaft, für die Frauen*?
Streiken Frauen* denn anders als Männer*?

Diese und weitere Fragen diskutiert Ingrid Artus (Professorin für Soziologie an der Universität Erlangen-Nürnberg und in verschiedenen politischen und feministischen Zusammenhängen aktiv)“

Donnerstag, 14. März, 19:30 Uhr
Stadtteilzentrum Gasparitsch
Rotenbergstr. 125
U4 Ostendplatz / U9 Raitelsberg
www.stadtteilzentrum-gasparitsch.org


#DeinFrauenstreikStuttgart

2019 wird bundesweit zu einem Frauen*streik mobilisiert. Dieser Streik soll aufzeigen, welche gesellschaftliche Macht in den Händen Frauen liegt. Durch Arbeitsverweigerung, sowohl zu Hause als auch bei der Lohnarbeit, können Frauen gemeinsam die Räder der Gesellschaft und des Kapitalmarkts still stehen lassen. Gründe zu streiken gibt es genug. Doch ist der Weg zu einem generellen Streik noch weit.

Daher rufen wir dazu auf „deinen Streik“ zu begehen und auf deine ganz eigene Art und Weise im Rahmen deiner Möglichkeiten zu streiken, so dass aus vielen einzelnen Aktionen ein großer gemeinsamer Streik wird.

Zeig uns warum und wie du streiken willst und nominiere drei weitere Personen sich daran zu beteiligen. Das könnt ihr durch Bilder eures Streiks, durch ein Bild eines Plakats oder anderen kreativen Formen tun.

Benutze dafür den Hashtag: #DeinFrauenstreikStuttgart
Facebook: Frauenstreik Stuttgart
Twitter: @FrauenstreikS
Instagram frauenstreikstuttgart

Auch Männer können sich beteiligen: Zeig uns warum oder wie du den Streik der Frauen unterstützen willst.


Aktionen am 8. März

Kundgebung: 16:30 Uhr, Schlossplatz
Demonstration: 17:30 Uhr ab Schlossplatz
weitere Informationen unter: https://frauenbuendnisstuttgart.wordpress.com/


Veranstaltungen

Buchvorstellung mit Gisela Notz
Feminismus
am Dienstag, den 12. Februar um 19 Uhr
Organisiert von Zusammen Kämpfen und dem Frauenkollektiv Stuttgart

Veranstaltung mit Ingrid Artus
Frauen*Streik! Zur Feminisierung von Streiks
am Donnerstag, den 14. März um 19:30 Uhr

Beide Veranstaltungen finden statt im:
Stadtteilzentrum Gasparitsch
Rotenbergstr. 125,
U4 Haltestelle Ostendplatz, U9 Haltestelle Raitelsberg


 

Zusammen Kämpfen Stuttgart | www.zk-stuttgart.tk