Für die Befreiung der Frau!

Für die Befreiung der Frau!

Heraus zum 08. März – Das Rad der Geschichte vorwärts drehen!

Am 08. März gehen weltweit Frauen auf die Strasse, um ihre Stimme für Gleichberechtigung und eine Perspektive der Befreiung zu erheben.

Zurück geht der Tag auf den 08. März 1857, als in New York Textilarbeiterinnen in den Ausstand traten um für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen zu streiken. 1910 wurde die Idee der Einführung eines Internationalen sozialistischen Frauentags zum Kampftag für das Frauenwahlrecht von der Sozialistin Clara Zetkin aufgegriffen und auf der 2. Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen beschlossen.
Zunächst auf den 19. März gelegt, demonstrierten 1911 Millionen Frauen am ersten internationalen Frauenkampftag in Deutschland, Dänemark, Österreich, Schweden, der Schweiz und den USA für eine Einführung des Frauenwahlrechts, für Arbeitsschutzgesetze, für die Einführung des 8-Stunden-Tags, für Mutter- und Kinderschutz, für gleichen Lohn für gleiche Arbeit, für die Senkung der Lebensmittelpreise, für die Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs und gegen den Krieg. Im Laufe der Jahre schlossen sich Frauen aus Frankreich, Holland, Russland und der Tschechoslowakei an.

Als am 08. März 1917 eine Demonstration von Frauen in St. Petersburg unter der Losung „Brot und Frieden“ zu einer Ausweitung der landesweiten Proteste gegen das Kriegselend führte, wurde dieser Widerstand der Frauen unter anderem zum Auslöser der russischen Februarrevolution.
Aufgrund dieser Ereignisse wurde schließlich der 08. März von der 2. Internationalen Konferenz kommunistischer Frauen 1921 als von nun an festes Datum eingeführt.
Seitdem steht dieser Tag symbolisch für die Forderungen und Kämpfe der Frauen weltweit.

Während in den 30er Jahren die wirtschaftlich harten Umstände den Frauenkampftag inhaltlich vorrangig prägten, gewann fortan der Kampf gegen den Faschismus oberste Priorität. Bereits 1933 wurde dann vom Faschismus der Frauenkampftag verboten und stattdessen der Muttertag – „zu Ehren der deutschen Mutter“ – eingeführt. Dennoch feierten einige Frauen den 08. März, unter anderem auch Internierte in den Konzentrationslagern, heimlich weiter.

Nach Ende des zweiten Weltkrieges wurde der 08. März 1945 in den Ostblockstaaten wieder eingeführt. In den 60er- und 70er Jahren gewannen feministische Positionen dann schließlich in West-, wie in Ostdeutschland wieder mehr an Bedeutung.

Die Forderungen hatten sich im Nachkriegsdeutschland verändert. Es ging nun zusätzlich zu den ökonomischen Forderungen auch um eine Politisierung des Privaten, um Sexualität und Homosexualiät, um Rollen- und Familienbilder, um eine neue Pädagogik und schließlich auch um die Diskriminierung von Migrantinnen.

Es bildeten sich zahlreiche Frauen- und Männergruppen, Kinderladenbewegungen, die homosexuellen Bewegungen und internationale Frauengruppen die sich im Besonderen mit dem Problem Rassismus auseinandersetzten.
Und auch heute im 21. Jahrhundert hat der Tag nichts an seiner Aktualität verloren:

It‘s all about economy …

  • Nach wie vor verdienen Frauen im Schnitt 21 % weniger als Männer,
  • bei gleicher Tätigkeit und gleichen Voraussetzungen verdienen Frauen 5,5 % weniger als Männer,
  • 65% der Frauen sind im Niedriglohnsektor angestellt,
  • 66% in geringfügig beschäftigen Arbeitsverhältnissen,
  • nur 40% der Frauen arbeiten in Vollzeitjobs,
  • rund 72% der unterbezahlten Pflegeberufe werden von Frauen ausgeführt,
  • 10% der Frauen sind von Altersarmut betroffen,
  • 60% der Rentnerinnen müssen mit einer Rente von unter 700 Euro auskommen.

Hinzu kommt, dass die niedrigen Löhne für Frauen es der Wirtschaft ermöglichen Frauen und Männer am Arbeitsplatz als flexible und billige Arbeitskräfte gegeneinander auszuspielen.

… and old pictures and traditions

Nach einer aktuellen US-Studie trauen bereits Mädchen im Alter von sechs Jahren ihresgleichen intellektuell weniger zu als Jungen oder Männern.
Ein Großteil der Bevölkerung ist nach wie vor der Meinung es gebe naturgegebene frauen- und männertypische Verhaltensweisen, die ihre Rolle in der Gesellschaft bestimmen würden.

Dazu kommt die omnipräsente stereotypische Darstellung der Mädchen und Frauen in Film, Fernsehen, Werbung und Zeitschriften, sowie die Erziehung der Mädchen zu vermeintlich typisch weiblichen Eigenschaften wie Mitgefühl, sich um andere zu kümmern und sich selbst vor den Bedürfnissen anderer zurückzunehmen.
Diese Rollenbilderprägungen von Kindesbeinen an hängen stark mit der späteren Benachteiligung und Ausbeutung der Frauen in unserer Gesellschaft zusammen.

  • Rund 57% der Frauen zwischen 40 und 60 Jahren kümmern sich neben der Kindererziehung noch um pflegebedürftige Familienmitglieder.
  • 2/3 der Arbeit wie Erziehung und Haushalt leisten Frauen unentgeltlich und dass obwohl die Wertschöpfung der unbezahlten Arbeiten mit 987 Milliarden Euro rund 39 Prozent des BIP der BRD ausmacht.

Somit ist ein tradiertes Frauen- und Familienbild auch eine lohnenswerte Einnahmequelle und Stützpfeiler des kapitalistischen Systems.

50 shades of violence – Sexismus ist keine Frage der Nationalität!

Hinzu kommt die Werbe- Film- und Modeindustrie die Schönheits- und Schlankheitswahnsinn propagiert, und mit der Unterwerfung der Frauen unter ihr äußeres Erscheinungsbild Millionen verdient. Nach wie vor gilt: Sex sells! Und nach wie vor erleben 40% der Frauen in Deutschland seit ihrem 16. Lebensjahr körperliche und / oder sexuelle Gewalt.
So ergab eine Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Jahr 2004 – also weit vor der sogenannten Flüchtlingskrise – zum Thema Gewalt gegen Frauen:

  • 42% der in Deutschland lebenden Frauen haben psychische Gewalt erlebt, z.B. Einschüchterung, Verleumdungen, Drohungen, Psychoterror.
  • Mehr als die Hälfte der von körperlicher Gewalt betroffenen Frauen hat körperliche Verletzungen aus Übergriffen davongetragen, von diesen hat ein Drittel deshalb medizinische Hilfe in Anspruch genommen.
  • Je nach Gewaltform haben 56% bis 80% der Betroffenen psychische Folgebeschwerden davongetragen (Schlafstörungen, Depressionen, erhöhte Ängste etc.). Besonders hoch war der Anteil bei psychischer und bei sexueller Gewalt.
  • Gewalt markiert im Leben der Frauen oft einen Bruch mit den gewohnten Beziehungs- und Lebensbezügen, auch wenn der Täter nicht der Partner ist (z.B. Trennung, Wohnungswechsel, Kündigung des Arbeitsplatzes).

Rechte, wie auch konservative Bewegungen und Parteien in ganz Europa versuchen diese Zustände aufrechtzuerhalten indem sie einerseits tradierte Rollenbilder propagieren und die gesetzlichen und sozialen Errungenschaften der Frauenbewegungen zunichte machen wollen. Genannt sei die „Heim und Herd“ Kampagnen der AfD und NPD hierzulande oder in Polen die Verschärfung der Abtreibungsgesetze.
Spätestens seit der Silvesternacht in Köln 2015 wird zudem versucht den vorherrschenden Sexismus in unserer Gesellschaft national zu verklären. Dies wurde schließlich mit dazu genutzt, um eine menschenverachtende Asylpolitik voranzutreiben und den Sicherheits- und Überwachungsstaat weiter auszubauen. Weiter dient der Kampf für die Rechte der Frauen nach wie vor als Deckmantel zur Rechtfertigung von internationalen Kriegseinsätzen wie am deutlichsten in Afghanistan.
Doch wir lassen es nicht zu, dass auf unserem Rücken und auf Kosten unserer notwendiges Kampfes gegen den Sexismus menschenverachtende Politik betrieben wird!

Zusammen Kämpfen gegen Krieg, Rechte Hetze, Rassismus, Ausbeutung und patriarchale Unterdrückung!

Sexismus und die patriarchale Unterdrückung durchdringen unseren gesamten Alltag. Durch etablierte Geschlechterrollen ist jede und jeder Tag für Tag mit den patriarchalen Verhältnissen konfrontiert.

Die herrschenden Verhältnisse profitieren von diesen und verschärfen diese weiter, um einen größeren Nutzen daraus ziehen zu können: Sei es durch ungleiche Bezahlung oder dadurch, dass durch die Verschärfung der Konkurrenz Arbeiter gegen Arbeiterinnen ausgespielt werden (sollen). Doch damit nicht genug. Rechte und konservative Bewegungen, nutzen u.a. durch Aktionen wie der „Demo für alle“ ein homophobes „traditionelles“ Familienbild als Aufhänger, um einen gesellschaftlichen Rollback zu propagieren und das Rad der Geschichte ein Stück zurückzudrehen.
Sexismus ist also kein isoliertes Themenfeld, er ist allgegenwärtung und eingebettet in die Verhältnisse.

Umso notwendiger ist es den Kampf gegen diesen und gegen patriarchale Unterdrückung als ein Teil des Kampfes für eine befreite Gesellschaft zu begreifen und zu führen. Es gilt also unsere Zukunft in die eigenen Hände zu nehmen, uns zu organisieren und den Kampf gegen Sexismus und patriarchale Unterdrückung überall dort zu führen wo diese auftauchen. Nicht nur am 8. März, sondern Tag für Tag.

Drehen wir gemeinsam das Rad der Geschichte nach vorne und kämpfen wir zusammen gegen Krieg, rechte Hetze, Rassismus, Ausbeutung und Unterdrückung!
Für ein solidarisches Miteinander!

Zusammen Kämpfen [Stuttgart]
www.zk-stuttgart.tk

 


Termin

Gemeinsames Nelkenverteilen

Mittwoch, 08. März um 09 Uhr am Ostendplatz

Kundgebung und Demonstration

Mittwoch, 08. März: Kundgebung ab 15 Uhr
Demonstration um 17:30 Uhr am Schlossplatz

Kneipenabend des Frauenkollektivs

Freitag, 17. März, 20 Uhr im Stadtteilzentrum Gasparitsch


Veranstaltung: Für die Befreiung der Frau! zum Thema Patriarchat und Klassenkampf!

Wir wollen in der Veranstaltung den Begriff des Patriarchats einbetten in seinen historischen Kontext, der Entwicklung von Gesellschaften, der Entstehung des Privatbesitzes und seinen Nutzen für das kapitalistische System.

Darüber hinaus wird das Frauenkollektiv Stuttgart seine Arbeit vorstellen und wir wollen mit euch gemeinsam praktische Ansätze einer fortschrittlichen Frauenpolitik diskutieren.

Donnerstag, 16. März, 19 Uhr
Stadtteilzentrum Gasparitsch
Rotenbergstr. 125
70190 Stuttgart
U4 Haltestelle Ostendplatz, U9 Haltestelle Raitelsberg