Für die Befreiung der Frau - 8. März 2017

Für die Befreiung der Frau – 8. März 2017

Am diesjährigen 8. März gab es unsererseits mehrere Aktionen rund um den Frauenkampftag. So haben wir am morgen des 8. März am Ostendplatz um die 70 rote Nelken und unseren diesjährigen Aufruf an Passantinnen aus dem Stadtteil verteilt. Die Reaktionen waren erfreulich, die Aktion kam gut an und somit gelang es die Thematik in die Bevölkerung zu tragen und mit linkspolitischen Inhalten zu besetzen.

Bei der Demo auf dem Schlossplatz, die vom Bündnis kämpferischer Frauen organisiert war, nahmen wir gemeinsam teil und hatten einen guten Ausdruck mit unserem Transparent. Als Teil des Frauenkollektivs Stuttgart organisierten wir gemeinsam mit anderen Genossinnen aus Stuttgart deren Aktion mit. Dies war ein kurzes Straßentheater zum Thema Alltagssexismus. Es fand als Flashmob statt und es gab zwei Stationen. Auf dem Weg zur zweiten Station kassierte eine teilnehmende Aktivistin eine Anzeige wegen Verstoß gegen das Versammlungsgesetz.

Wir hielten auch eine Rede:

Heraus zum 08. März – Das Rad der Geschichte vorwärts drehen!

„Heute am 08.März gehen weltweit Frauen auf die Straße um ihre Stimme für Gleichberechtigung und eine Perspektive der Befreiung zu erheben.

Zurück geht der Tag auf den 08. März 1857, als in New York Textilarbeiterinnen in den Ausstand traten um für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen zu streiken.

Zunächst auf den 19. März gelegt, demonstrierten 1911 Millionen Frauen am ersten internationalen Frauenkampftag, in Deutschland, Dänemark, Österreich, Schweden, der Schweiz und den USA für

eine Einführung des Frauenwahlrechts, für Arbeitsschutzgesetze, für die Einführung des 8-Stunden-Tags, für Mutter- und Kinderschutz, für gleichen Lohn für gleiche Arbeit, für die Senkung der Lebensmittelpreise, für die Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs und gegen den Krieg.

Seitdem steht dieser Tag symbolisch für die Forderungen und Kämpfe der Frauen weltweit.

Die Forderungen hatten sich im Nachkriegsdeutschland verändert. Es ging nun zusätzlich zu den ökonomischen Forderungen auch um eine Politisierung des Privaten, um Sexualität und Homosexualiät, um Rollen- und Familienbilder, um eine neue Pädagogik und schließlich auch um die Diskriminierung von Migrantinnen.

Und auch heute im 21. Jahrhundert hat der Tag nichts an seiner Aktualität verloren:

Its all about economy…

  • Nach wie vor verdienen Frauen im Schnitt 21 % weniger als Männer.
  • Bei gleicher Tätigkeit und gleichen Voraussetzungen verdienen Frauen 5,5% weniger als Männer
  • 65 % der Frauen sind im Niedriglohnsektor angestellt
  • 66 % in geringfügig Beschäftigen Arbeitsverhältnissen
  • nur 40 % der Frauen arbeiten in Vollzeitjobs
  • Rund 72 % der unterbezahlten Pflegeberufe werden von Frauen ausgeführt
  • 10 % der Frauen sind von Altersarmut betroffen
  • 60 % der Rentnerinnen müssen mit einer Rente von unter 700 Euro auskommen

Hinzu kommt das die niedrigen Löhne für Frauen es der Wirtschaft ermöglichen Frauen und Männer am Arbeitsplatz als flexible und billige Arbeitskräfte gegeneinander auszuspielen.

and old pictures and traditions:

  • rund 57 % der Frauen zwischen 40 und 60 Jahren kümmern sich neben der Kindererziehung noch um pflegebedürftige Familienmitglieder
  • 2/3 der Arbeit wie Erziehung und Haushalt leisten Frauen unentgeltlich und dass obwohl die Wertschöpfung der unbezahlten Arbeiten mit 987 Milliarden Euro rund 39 Prozent des BIP ausmacht

50 Shades of Violence – Sexismus ist keine Frage der Nationalität!:

  • 42% der in Deutschland lebenden Frauen haben psychische Gewalt erlebt, z.B. Einschüchterung, Verleumdungen, Drohungen, Psychoterror.
  • Mehr als die Hälfte der von körperlicher Gewalt betroffenen Frauen hat körperliche Verletzungen aus Übergriffen davongetragen, von diesen hat ein Drittel deshalb medizinische Hilfe in Anspruch genommen.
  • Je nach Gewaltform haben 56% bis 80% der Betroffenen psychische Folgebeschwerden davongetragen (Schlafstörungen, Depressionen, erhöhte Ängste etc.). Besonders hoch war der Anteil bei psychischer und bei sexueller Gewalt.
  • Gewalt markiert im Leben der Frauen oft einen Bruch mit den gewohnten Beziehungs- und Lebensbezügen, auch wenn der Täter nicht der Partner ist (z.B. Trennung, Wohnungswechsel, Kündigung des Arbeitsplatzes).

Rechte Bewegungen und Parteien in ganz Europa versuchen diese Zustände aufrechtzuerhalten indem sie einerseits tradierte Rollenbilder propagieren und die gesetzlichen und sozialen Errungenschaften der Frauenbewegungen zunichte machen wollen. Genannt sei die Heim und Herd Kampagnen der AFD und NPD hierzulande oder in Polen die Verschärfung der Abtreibungsgesetze.

Spätestens seit der Silvesternacht in Köln 2015 wird zudem versucht den vorherrschenden Sexismus in unserer Gesellschaft national zu verklären. Dies wurde schließlich dazu genutzt um eine menschenverachtende Asylgesetzpolitik voranzutreiben und den Sicherheits- und Überwachungsstaat weiter auszubauen. Weiter dient der Kampf für die Rechte der Frauen nach wie vor als Deckmantel zur Rechtfertigung von internationalen Kriegseinsätzen wie am deutlichsten in Afghanistan.

Wir sagen Schluss damit!

Wir lassen es nicht zu dass auf unserem Rücken und auf Kosten unserer notwendiges Kampfes gegen den Sexismus menschenverachtende Politik betrieben wird!

Keine Verschärfung der Asylgesetze!
Keine Kriegseinsätze!
Wir fordern ein Ende der ökonomischen Ausbeutung und der sexuellen Unterdrückung!

Frauen und Männer gemeinsam im Kampf gegen Sexismus, Rassismus und Kapitalismus!”


Am 16. März hielten wir im Stadtteilzentrum Gasparitsch einen Vortrag mit dem Titel: „Für die Befreiung der Frau! Zum Thema Patriarchat und Klassenkampf.

Dies war die Einleitung des Vortrags, was gut beschreibt, um was der Vortrag ging:

„Ich begrüße euch im Namen von Zusammen Kämpfen zu dem Vortrag „Für die Befreiung der Frau, zum Thema Patriarchat und Klassenkampf“. Wir von Zusammen Kämpfen verstehen uns als einen Teil der weltweit kämpfenden revolutionären Linken für eine Gesellschaft frei von kapitalistischer Ausbeutung und Unterdrückung, frei von Kriegen und frei von rassistischer, patriarchaler und sexistischer Unterdrückung

Wir wollen heute, anlässlich des 8. März, einen Ausblick auf den Kampf gegen das Patriarchat werfen und unsere Herangehensweise an das Thema vorstellen. Um dies ganzheitlich erörtern zu können, ist es wichtig zu betrachten, wo das Patriarchat eigentlich herkommt, wie es entstanden ist und was der Kern des Ganzen darstellt.

Gemeinhin wird das Patriarchat einfach der Wortentstehung nach als Vaterrecht bzw. Männerherrschaft betitelt. Demnach ist der Kampf für die Befreiung der Frau als Kampf gegen diese Männerherrschaft zu richten. Viele Teile der bürgerlichen Frauenbewegung und ihrer modernen Vertreter, wie beispielsweise Alice Schwarzer und das Magazin Emma liegen dieser Vorstellung zu Grunde. Ebenso diesem zugrunde liegt die Vorstellung, dass das Gegenteilige, also eine Frauenherrschaft, das wäre was jetzt anzustreben sei. Begründet wird diese schlichte Umdrehung der Inhalte dadurch, dass gesagt wird, schau wozu die Männerherrschaft führt, Kriege, Mord, Macht etc. Wenn Frauen die Welt regierten wäre das anders. Dafür werden dann teilweise biologistische Argumente angeführt, es geht um die Natur des Mannes und die Natur der Frauen. Jäger und Sammler, Hart und Weich. Dabei verfängt man sich dann in gerade jene Charakterisierungen die Teil des Problems sind.

Es geht uns hier nicht um eine biologistische Gleichmacherei.

Wir wissen, dass nur Frauen gebären können und dass wir unterschiedliche Anteile von Hormonen in unserem Körper besitzen. Davon ausgehend jedoch feststehende charakterliche Unterschiede auszumachen – dagegen steht die Wissenschaft.

Vielmehr geht es uns darum, dass der Kampf gegen das Patriarchat eben weg zu bringen ist, von dieser biologischen Ebene, die die Unterdrückung der Frau und den Kampf gegen das Patriarchat auf diese Ebene reduziert.

Unser Ziel ist es den Begriff des Patriarchats einzubetten in seinen historischen Kontext, der nicht wegzubringen ist von der Entwicklung von Gesellschaften und der Entstehung des Privateigentums.

Wir wollen erörtern, wie also ein effektiver Kampf gegen patriarchale Strukturen mit einer fortschrittlichen Perspektive aussieht.

Diesbezüglich erörtern wir, wie sich das Patriarchat im Laufe der Geschichte verändert und sich letztendlich an die heutigen kapitalistischen Verhältnisse angepasst hat und welche Funktion das Patriarchat übernimmt.

Wir stellen uns abschließend die wichtigen Fragen, was diese Fakten für uns als radikale Linke bedeuten, wie müssen wir mit der Thematik umgehen, bzw. wie kann ein Kampf gegen das Patriarchat auf allen Ebenen aussehen.“

Am Ende des Vortrags stellte sich das Frauenkollektiv Stuttgart vor und berichtete kurz über deren Arbeit.

Das Thema zur Befreiung der Frau sowie der Kampf gegen das Patriarchat sollte nicht nur am 8. März Thema sein, sondern jeden Tag. Es ist wichtig dieses Themenfeld in die tägliche Arbeit von linken Strukturen einzubetten und es nicht nur Sache von Frauen sein zu lassen.

Frauen und Männer gemeinsam im Kampf gegen Sexismus, Rassismus und Kapitalismus!